Bollinger Bänder: Eine kleine Einführung

Bollinger Bänder gehören zu den vielseitigsten Indikatoren die es gibt. Im folgenden Artikel erhaltet ihr eine kleine Einführung (5 min Lesezeit)

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Hallo Trader,

heute möchte ich euch einmal einen Indikator vorstellen, der von vielen Anlegern gerne missverstanden wird. Oftmals wird er sogar falsch genutzt und führt damit zu unnötigen Verlusten. Wer jedoch wirklich mit Bollinger Bändern umzugehen weiß, erhält mit ihnen eine sehr wertvolle Visualisierungshilfe.

Sehen wir uns zunächst kurz die Entstehungsgeschichte an.

Ein paar Worte zur Geschichte

In den 1980ern dachte sich ein nicht ganz dummer Mann, dass es doch gar keine schlechte Idee wäre, eine Visualisierungsmöglichkeit für Börsenkurse zu finden. Er ging dabei von der mathematischen Annahme aus, dass Börsenkurse einer Normalverteilung unterliegen und sich so statistisch näher als Modell beschreiben lassen.

Sein Ziel war es, einen Indikator zu finden, um Preisvolatilitäten zu veranschaulichen. Ihm ging es dabei also nicht darum, einen Indikator für Verkauf- und Kaufentscheidungen zu schaffen. Viel mehr sollte der Indikator einfach mehr Klarheit bringen.

Gleichzeitig nutzte Bollinger die Tatsache, dass aktuelle Kurse eines Wertpapiers mit höherer Wahrscheinlichkeit in der Nähe des Mittelwertes vergangener Kurse liegen, als weit davon entfernt.

Ich erspare euch hier die mathematischen Details. Wer das tun will, wird sicher schnell auch durch eigene Recherche im Netz fündig oder kann mich auch näher fragen.

Viel mehr geht es mir hier um die sinnvolle Anwendung der Bänder, so dass ihr beim Traden auch etwas davon habt.

Woraus also bestehen Bollinger Bänder überhaupt?

Salopp gesagt habt ihr bei Bollinger Bändern drei zusätzliche Linien im Chart. Diese sind:

  • Oberes Bollinger Band
  • Moving Average (Mittelband, Standardeinstellung ist der MA 20)
  • Unteres Bollinger Band

Bollinger Bänder schaffen euch im Chart also drei Zonen.

Wie das aussieht, habe ich euch mal am S&P 500 dargestellt:

Sicher fragt ihr euch jetzt, warum die Bänder eigentlich dort liegen, wo sie liegen. Und vor allem, was es bedeutet, wenn sich ein Kurs über die Bänder bewegt bzw. innen/außen liegt.

Packen wir es der Reihe nach an…

Die Parameter bei Bollinger Bänder

Wie ich schon schrieb basieren Bollinger Bänder auf der Normalverteilung. Wenn ihr das Zeug also vollständig verstehen wollt, kommt ihr nicht ohne ein wenig Mathematik und Statistik klar.

Ich versuche es hier aber einmal ganz einfach zu halten:

Zunächst einmal entscheidet ihr beim Auflegen der Bollinger Bänder, welche Periode euer gleitender Schnitt haben soll. Standard ist hier meistens der MA(20), ihr könnte davon natürlich aber auch abweichen.

Nun geht es an die Berechnung der oberen und unteren Bänder. Hier gilt:

Das obere Band errechnet eure Software, indem sie die Standardabweichung über die festgelegte Zeitspanne mit dem Faktor k multipliziert (den wählt ihr, Bollinger empfiehlt 2, letztlich aber eure Wahl) und das Resultat zum Mittelwert addiert wird. Das untere Band errechnet eure Software auf die gleiche Art, nur dass das Resultat vom Mittelwert subtrahiert wird. Und mit der Größe von k steuert ihr also den Abstand zwischen den beiden Begrenzungsbändern.

Und wofür ist das alles gut?

Nun, ihr könnte damit eine Reihe an Dingen erkennen. Bollinger Bänder erlauben einen schnellen Blick darauf, ob ein Kurs eher überkauft oder überverkauft ist (bitte im Kopf behalten: KEIN Tradingsignal! Nur Visualisierungshilfe).

Am häufigsten werden Bollinger Bänder wie folgt genutzt:

Anzeige von möglichen Richtungswechseln
  • Ein Kurs nahe dem oberen oder unteren Band wird als Signal für eine kurzfristige Bewegung zum anderen Band gedeutet.

Anzeige von möglichen Ausbrüchen
  • Das Zusammenlaufen des oberen und unteren Bandes in Richtung des gleitenden Durchschnitts deutet darauf hin, dass sich der Kurs auf eine größere Bewegung hinbewegt. Allerdings kann diese sowohl auf- als auch abwärts sein (Bollinger Bänder sind ein reines Volatilitätsmaß). Man spricht hier auch von einem „Squeeze“.

Anzeige von Bewegungs-Follow-Throughs
  • Bricht der Kurs jedoch aus dem Kanal aus, ist es oft so, dass die Bewegung sich weiter fortsetzt.

In der Praxis werden Bollinger-Bänder häufig herangezogen, um Kauf- bzw. Verkaufsentscheidungen zu treffen. Hiervon rate ich euch aber ausdrücklich ab. Dafür hat Bollinger die Bänder nie konstruiert.

Der beste Einsatz für Bollinger Bänder ist meiner Meinung nach jedoch beim Screenen nach neuen Werten. Wenn ihr gezielt in eurer Chartsoftware nach engen Bändern sucht, findet ihr oftmals Situationen, die kurz vor einem Ausbruch stehen.

Wie ihr das in der Praxis einstellen könnt?

Nun, Bollinger hat inzwischen weitere Indikatoren entwickelt, z.B. den %b-Indikator. Dieser sagt euch z.B. wo der Preis relativ zum Bollinger Band steht. Dabei gilt:

  • %B gleich 1, wenn der Preis am oberen Band notiert
  • %B gleich 0, wenn der Preis am unteren Band notiert.
  • %B ist über 1, wenn der Preis über dem oberen Band notiert.
  • %B ist unter 0, wenn der Preis unter dem unteren Band notiert
  • %B ist über .50 wenn der Preis über dem mittleren Band ist (normalerweise 20er-MA)
  • %B ist unter .50 wenn der Preis unter dem mittleren Band ist (normalerweise 20er-MA)

Wenn ihr dazu noch die Bollinger Band Width als Indikator nehmt und dort nach Tiefstständen sucht, könnt ihr relativ gut festlegen, wo euer Preis genau stehen soll.

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Ausprobieren 😉

Beste Grüße aus Thailand,

Pasa

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