Staatsverschuldung: Der Tanz auf dem brodelnden Vulkan

In einer neuen Arikelserie gehe ich auf eines der größten Probleme der westlichen Volkswirtschaften ein: die exorbitant hohe Staatsverschuldung. Im ersten Teil stelle ich zunächst einmal die Problematik anhand einiger Schaubilder dar und gehe auf die negativen Folgen ein (5 min Lesezeit)

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Ich werde mich in  den nächsten Wochen in einer Artikelserie mit dem Thema „Staatsverschuldung“ näher beschäftigen, weil ich davon ausgehe, dass uns dieses Problem spätestens im nächsten Wirtschaftsabschwung einholt und wir in der Folge über kurz oder lang eine Neuordnung / ein Reset unseres Geldsystems bekommen werden. Wenn man zu diesem Zeitpunkt investitionstechnisch „falsch“ aufgestellt ist, wird es einen sprichwörtlich Haus und Hof kosten. Umso wichtiger ist es sich heute schon über mögliche Zukunftsszenarien Gedanken zu machen und sich richtig zu positionieren.

Ich beginne die Artikelserie zuerst mit einer Übersicht über die derzeitige Verschuldungslage und gehe kurz auf die negativen Folgen der Überschuldung ein.

Staatsverschuldung der entwickelten Länder

Die untere Grafik des Internationalen Währungsfonds (IMF) aus dem Jahr 2012 zeigt die Entwicklung der Staatsschulden (Public Debt) der entwickelten Länder von 1880 bis 2011 in % des BIP gemessen (sog. Realschulden). Mittlerweile (Ende 2017) dürfte sich das Schuldenniveau auf dem gleichen Level wie Mitte der 1950er (ca. 120%) befinden. Wie in der Grafik zu sehen ist, sank die öffentliche Verschuldung nach Ende des zweiten Weltkrieges stark und bildete Mitte der 1970er einen Tiefpunkt bei ca. 30% der BIP. Wie es zu diesem „Schuldenabbau“ kam werde ich im nächsten Artikel dieser Serie darlegen.

Quelle: IMF World Economic Outlook Oct 2012

Werfen wir zunächst noch einmal einen Blick darauf, wie die Schuldenlast unter den entwickelten Ländern verteilt ist:

Die USA tragen mit ca. 32% die Hauptlast der globalen Verschuldung. Danach folgen Japan (19%) und China (8%) vor Italien und Frankreich (beide je 4%)

Quelle: Visualcapitalist

Implizite Verschuldung nicht berücksichtigt

Bei den offiziell ausgewiesenen Zahlen handelt es sich um die sog. explizite (offiziell ausgewiesene) Staatsverschuldung. Es gibt jedoch noch die sog. Schattenverschuldung, welche auch implizite Staatsverschuldung genannt wird. Diese umfasst zugesicherte, aber bisher noch nicht finanzierte Versprechen des Staates, wie u.a. die zukünftigen Ausgaben der Sozialversicherungssysteme oder Pensionsansprüche der Bürger. In den meisten Ländern betragen die impliziten Schulden ein Vielfaches der offiziell ausgewiesenen Staatsschulden.

Quelle: Welt.de

Folgen der hohen Verschuldung

  • Hohe Staatsschulden wirken sich nachweislich negativ auf das zukünftige Wirtschaftswachstum aus, weil z.B. staatliche Infrastrukturprogramme aufgrund von Kosteneinsparungen zurückgefahren werden und es oftmals zu Steuererhöhungen in den betroffenen Ländern kommt.
  • Die Bonität des Staates leidet, was tendenziell zu höheren Zinszahlungen führt. Mittels der QE-Programme  und der Nullzinspolitik haben es die Zentralbanken in den letzten Jahren jedoch geschafft die Zinskosten der Staaten zu minimieren. Dies wiederum wirkt sich negativ für die Halter der Staatsanleihen aus (z.B. Lebensversicherungen und Pensionskassen) und führt hier wiederum zu negativen Folgeeffekten. Auch Sparer leiden unter dem Nullzinsniveau und verlieren aufgrund fehlender Zinszahlungen in einem inflationärem Umfeld an Kaufkraft.
  • Staaten mit hoher Verschuldung neigen zu einer lockereren  Geldpolitik, was u.a die Bildung von Vermögenspreisblasen begünstigt.
  • Früher oder später kommt es zu einem Vertrauensverlust der Gläubiger, in dessen Folge die Staatsanleihen einbrechen und/oder die Währung massiv abwertet. Wie hoch die Staatsschulden sein müssen bis der Vertrauensverlust einsetzt ist von mehreren Faktoren abhängig (z.B. ob die Schuldanleihen in der eigenen Währung emittiert wurden und wer diese hält).

Fazit: Die Welt ertrinkt in einem Schuldenmeer

Die entwickelten Volkswirtschaften ertrinken förmlich in einem Meer aus Schulden.  Aufgrund des immer noch währenden Wirtschaftswachstums und der Niedrigzinspolitik der Notenbanken samt QE-Maßnahmen halten sich die negativen Folgen der hohen Staatsverschuldung derzeit in Grenzen. Spätestens in der nächsten Rezession ist jedoch davon auszugehen, dass die Staatsverschuldung der entwickelten Länder wieder zu einem Problem wird und sich daraus eventuell sogar eine Staatsschuldenkrise entwickelt.

„It doesn`t matter until it matters…“

Prinzipiell gibt es mehrere Möglichkeiten für einen Staat sich zu entschulden. Im nächsten Artikel dieser Serie werde ich darauf näher eingehen und auch zeigen, wie es die USA nach WK II geschafft haben ihre Realschuldenquote massiv zu drücken.

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