Schuldenabbau in den USA nach WK II

Im zweiten Teil der Staatsschulden-Serie werfe ich einen Blick auf den Schuldenabbau der USA nach WK II (5 min Lesezeit)

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Nachdem ich im ersten Teil dieser Artikelserie die Problematik der exorbitant hohen Staatsverschuldung der westlichen Industrienationen aufgezeigt und deren negativen Folgen kurz erläutert habe, schreibe ich heute über den Schuldenabbau der USA nach dem zweiten Weltkrieg. Wie ihr im unteren Chart sehen könnt, gelang des den Vereinigten Staaten nach WK II die Realschulden (auch Schuldenquote genannt = Schulden / BIP) von 120% im Jahr 1946 auf annährend  30% zu drücken. Bevor ich näher darauf eingehe wie dies gelang, schauen wir uns zuerst einmal an, mit welchen Maßnahmen sich Realschulden überhaupt senken lassen.

Quelle: Ardella Hawks Blog

Abbau der Staatsschuldenquote durch…

Wie oben schon erwähnt, bedeutet ein Schuldenabbau nicht, dass es zu einer Rückzahlung der Schulden kommt, sondern nur, dass das Verhältnis der Schulden im Vergleich zur Wirtschaftsleistung (BIP) sinkt.

Schulden / BIP = Realschulden (Schuldenquote)

Zu einem Rückgang der Schuldenquote kann es aufgrund folgender Gründe kommen:

  1. Die Schuldenlast sinkt, indem ein Staat in einem Fiskaljahr mehr einnimmt als ausgibt (sog. Primärüberschuss) und die Differenz zur Schuldentilgung genutzt wird (z.B. werden weniger Staatsanleihen emittiert wie auslaufen).
  2. Die Schuldenquote kann auch durch eine Neuverhandlung der Schulden zw. Gläubiger und Schuldner sinken oder indem sich ein Staat für zahlungsunfähig erklärt (Staatsbankrott).
  3. Wächst das BIP aufgrund von Wirtschaftswachstum schneller als die Schulden, sinkt die Schuldenquote ebenfalls.
  4. Die Schuldenquote kann auch durch hohe Inflationsraten sinken, wenn nämlich die Preise für Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft steigen während gleichzeitig der nominale Wert der Schulden gleich bleibt. Man spricht in diesem Fall von einem „Schuldenabbau durch Inflation

Schuldenabbau der USA nach WK II

Im unteren Schaubild des internationalen Währungsfonds (IWF) könnt ihr sehen, wie es die USA nach dem zweiten Weltkrieg geschafft haben ihre Realschuldenquote zu senken. Die y-Achse zeigt die Änderungsrate der Staatsschuldenquote in %, die x-Achse die Jahreszeiträume

Quelle: IMF World Economic Outlook Oct 2012

Der starke Schuldenabbau zwischen 1946 und 1961 gelang durch eine Kombination von mehreren Faktoren: Zum einen wuchs die Wirtschaft der USA stark. Gleichzeitig konnte die Vereinigten Staaten hohe Primärüberschüsse erwirtschaften welche zum Schuldenabbau genutzt wurden. Der größte Teil der Schulden fiel jedoch der Inflation „zum Opfer“.  Im unteren Bild ist gut zu erkennen, dass es vor allem zwischen 1946 und 1948 zu einem großen Inflationsschub kam. So ziemlich alles wurde teurer, die Schulden blieben jedoch nominal gleich, womit diese inflationsbereinigt deutlich sanken. Mittels eines sog. Interest Rate Ceilings stellte die US-Notenbank FED zudem sicher, dass die Zinsen für Staatsanleihen nicht in die Höhe schossen. Somit mussten die Halter der US-Staatsschulden mit anschauen, wie ihr verliehenes Geld inflationsbereinigt massiv an Kaufkraft verlor. Es gabe quasi eine Enteignung durch die Hintertür…

Quelle: CPI Inflation Calculator

Vielleicht versteht der eine oder andere nun, was der ehemalige FED-Vorsitzende Allan Greenspan mit diesem Kommentar gemeint hat:

Quelle: AZ-Quotes

Nächste Woche werde ich mich abschließend mit der Frage beschäftigen, wie die Schuldenquoten der westlichen Industrienationen in Zukunft gesenkt werden. Wachsen wir aus den Schulden raus? Oder werden die Notenbanker mittels höherer Inflationsraten bei gleichzeitig finanz- repressiven Maßnahmen die Realschuldenquote senken? Gibt es noch weitere Möglichkeiten? Das und vieles mehr … in Farbe… auf Tradevolution!

Schönes Wochenende 🙂

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