Lasst als Anfänger besser die Finger vom Trading, AUSSER…

Ich beantworte eine Leserfrage und erörtere, warum ich der großen Mehrheit der Tradinganfänger davon abraten würde, es mit dem aktiven Handel überhaupt zu versuchen (5 min Lesezeit)

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Ich erhielt vor kurzem folgende Nachricht:

Ich bin richtig interessiert am Trading insbesondere von Aktien. Mich hält jedoch noch die Angst bzw. der gesunde Menschenverstand zurück. Ich bin absoluter Anfänger und habe bisher keinen Kontakt zur Börse gehabt. Ich verfolge lediglich regelmäßig diverse Blogs und Websites und lese ca. seit Anfang des Jahres interessiert mit. Ich würde mich gerne autodidaktisch in die Materie einarbeiten, spiele nun aber eher mit dem Gedanken mich von einem CPT (Consistent Profitable Trader) coachen zu lassen. Einfach um Zeit zu sparen und Fehler zu vermeiden. Ich dachte hier an ein Coaching durch „xy“ nach. Wie denkst du darüber? Insbesondere als Autodidakt? Dort wird natürlich mit Aussagen geworben – nach dem Coaching ist man im Stande profitabel zu traden – die mir etwas suspekt sind…
Langfristiges Ziel von mir ist es ein Nebenverdienst zu meinem bestehenden Beruf aufzubauen, um dort kürzer treten zu können.

Vergleichbare Fragen habe ich in der letzten Zeit des Öfteren bekommen. Es gibt zahlreiche Interessierte da draußen, welche mit der Börse ihr Taschengeld aufbessern wollen. Warum auch nicht, ist ja naheliegend… Bevor ich jedoch auf den Kern der Frage (wie am besten vorgehen) eingehe, werde ich zuerst ein wenig weiter ausholen.

Ziel des Tradinganfängers: Easy (Neben-) $Einkommen$ generieren

Verständlicherweise träumen wir alle davon mehr Geld zur Verfügung zu haben um u.a. im eigentlichen Beruf kürzer zu treten und die „Bucket Liste“ abarbeiten zu können. Aber warum glauben eigentlich so viele Tradinganfänger, dass das mit Trading so einfach zu realisieren wäre? Nun, einen Teil trägt mit Sicherheit die „Öffentlichkeitsarbeit“ der Finanzindustrie dazu bei, welche u.a. damit wirbt, wie einfach es doch sei nach einem Einführungsseminar durchzustarten und mit ein paar Klicks und wenig zeitlichem Aufwand >>nebenbei<< Geld zu verdienen. Einfach ein paar Linien Zeichnen, komisch klingende Formationsmuster auswendig lernen, BUY oder SELL klicken und der Rubel rollt… ODER AUCH NICHT!

Aber Moment… im Internet tummeln sich doch zahlreiche Börsengewinner! Die große Mehrheit der werbenden Börsenbriefschreiber, Signalgeber, Kursanbieter und Coaches hat es geschafft und lebt vom Trading… So ist zumindest der Anschein. Worauf ich hinaus will ist folgendes: Egal wohin man auch schaut, es entsteht der Eindruck, als ob man mit dem Trading innerhalb kürzester Zeit finanziell neue Sphären erreicht ohne sich dabei „einen abbrechen“ zu müssen. Schnell ein paar Tausend Euros monatlich aus dem Ärmel schütteln während man die Cocktails am Hotelpool abroad schlürft *träum*. Wenn es nun aber so einfach ist an der Börse Geld zu verdienen wie die Finanzindustrie, Börsenbriefschreiber  & co. es uns verkaufen wollen, wie kann es dann sein, dass ca. 90% bis 95% aller Privathändler auf lange Sicht zu den Verlierern an der Börse gehören? Sind das alles Pfeifen, die es nicht drauf haben? Oder könnte es vielleicht sein, dass es doch nicht so easy ist?

Trading = Der Überlebenskampf im Haifischbecken der PROFIS

Wie allgemein bekannt ist, ist die Börse ein Nullsummenspiel. Die Verluste der einen entsprechen den Gewinnen der anderen und umgekehrt (vereinfachte Darstellung). Wer sind die anderen Marktteilnehmer? Privathändler wie wir? Möglich, aber in großer Mehrheit sind es institutionelle Marktteilnehmer – also Profis welche Vollzeit handeln und deren Existenz von ihren Ergebnissen abhängt! Welcher Tradinganfänger würde sich zutrauen ohne eine mehrjährige Vorbereitung gegen einen Profiboxer in den Ring zu steigen? Nicht sehr viele nehme ich an. Aber sich als Tradinganfänger naiv vor den Computer zu setzen und GEGEN PROFESSIONELLE Händler anzutreten stellt kein Problem dar, oder wie? Kein K.O. in der ersten Runde? Für die meisten Anfänger in Form eines platt gehandelten Kontos schon! Unsere „Gegner“ – die anderen Marktteilnehmer die uns gegenüber stehen – sind in aller Regel Händler, welche professionell mehrere Jahre ausgebildet wurden, die – im Gegensatz zu einem Tradinganfänger – über zahlreiche Jahre an Handelserfahrung verfügen, die bessere Computertechnik ihr eigen nennen können und in der Regel dank Bloombergterminal & Insiderkontakten auch einen deutlichen Informationsvosprung haben. Und denen will ein Tradinganfänger mit wenig Aufwand das Geld aus der Tasche ziehen? Nun ja…. 😛

Machen wir uns nichts vor, den nichtssagenden Werbeversprechen der Finanzindustrie zum Trotz: Mit Trading Geld zu verdienen ist sehr, sehr schwierig, erfordert neben viel Fachwissen und mehrjähriger Erfahrung, einen auf die Persönlichkeit des Traders zugeschnittenen Handelsansatz und zusätzlich ein außergewöhnlich starkes Mindset, denn Rückschläge gibt es beinahe täglich zu Beginn. Gerade erst habe ich diese Mail von einem Trader erhalten, der seit mehr als 10 Jahren versucht mit dem Trading  durchzustarten:

Solche Aussagen kenne ich, denn ich wollte auch schon ca. 2500 mal aufhören, weil ich es einfach nicht auf die Reihe bekommen habe. Und selbst heute, mit mehr als 15 Jahren Handelserfahrung erlebe ich hin und wieder Phasen, in denen es nicht läuft und ich an meinem Wissen, meinen Strategien und mir selbst zweifle. Ich denke das gehört zum Handel einfach dazu. Umso wichtiger ist es, eben nicht liegen zu bleiben und aufzugeben sondern – nach einer Pause – voller Elan weiter zu machen. Ggf. mit einem neuen Ansatz, aber hauptsache weiter machen. Nur so erreicht man langfristig das Ziel an der Börse konsistent Geld zu verdienen. Und diese Durchhaltefähigkeit hat nur jemand der die Märkte atmet und gar nicht genug von Börse und co. bekommen kann und für den es mehr um dem Handel an sich als um das Geld verdienen geht.

Fazit: Lasst die Finger vom Trading AUßER…

Ich persönlich würde niemandem raten mit dem Trading anzufangen, wenn es einzig und allein nur um die Kohle geht. Period! Es gibt meiner Meinung nach deutlich einfachere Wege um mittelfristig ein lukratives Nebeneinkommen zu generieren (z.B. Affiliate Marketing, Onlinebusiness, fremdfinanzierte Immobilien vermieten etc.). Trading bedeutet vor allem in den ersten Monaten bis Jahren „Schmerz ohne Ende“ und sehr oft auch leider der Verlust des angesparten Vermögens. Und früher oder später fragt sich so ziemlich jeder mal: „Warum tue ich mir die sch*** eigentlich an?“ Die Leidensgeschichte des Tradinganfängers Jerome erzählt Michael Voigt in diesem >>Der Händler<<-Band ausführlich. Must Read für alle Tradinganfänger!

Wenn sich jedoch jemand wirklich brennend für die Finanzmärkte und das Spekulieren per se interessiert und ohne nicht kann – so wie ich 😛 – dann hilft natürlich auch kein Vernunftapell… Dann gibt es nur den Weg nach vorne, rein ins Haifischbecken der Profis. Der Tradinganfänger braucht dabei für den langfristigen Erfolg vor allem „Willpower“ und ein außergewöhnlich starkes Mindset um nach jedem Rückschlag wieder aufzustehen, das platt gehandelte Konto zu rekapitalisieren und von Neuem zu starten. Und natürlich muss er auch eine Menge Arbeit reinstecken und sehr viel Zeit investieren. „Get rich quickly“-Strategien sind IMO leider nur Werbeversprechen von youtube-Tradern. 😉

Im morgigen Beitrag beantworte ich den zweiten Teil der Leserfrage: Wie gehe ich als Tradinganfänger am besten vor um schnellstmöglich ein konsistent profitabler Händler zu werden? Ist ein Coaching der richtige Weg? Kann man sich als Autodidakt das Traden selbst beibringen?

Bis morgen 🙂

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