Kann man mit Markttechnik alleine profitabel handeln?

Ist es möglich alleine nur mit der Markttechnik profitabel zu handeln? Ich beantworte diese Frage aus der Perspektive eines Aktien-Swingtraders (5 min Lesezeit)

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In einer der Facebook-Trading Gruppen in denen ich mich tummle, kommt immer wieder die Diskussion zwischen Mitgliedern auf, ob man mit der Markttechnik alleine profitabel handeln kann. Erst wollte ich mich in die Diskussion mit einbringen, bin dann aber zum Entschluss gekommen, zu diesem Thema lieber einen kurzen Blogbeitrag zu schreiben, welcher mit Sicherheit öfter gelesen wird, als ein Comment in einer geschlossenen FB-Gruppe. Zunächst sollten wir uns fragen…

Was ist Markttechnik überhaupt?

Die Diskussion bzgl. der Markttechnik gehen schon bei der genauen Begriffsdefinition los. Was ist/umfasst die Markttechnik und wo liegen die genauen Unterschiede ggü. Charttechnik, Dow Theorie und Price Action Trading? Jeder definiert diese Begriffe ein wenig anders, weshalb viele Diskussionen auch von vorneherein ins Leere führen.

Für diesen Post verwende ich den Begriff Markttechnik um den technischen Handel unter Berücksichtigung der verschiedenen, in sich verschachtelten Zeiteinheiten zu beschreiben. Markttechniker versetzen sich dabei in die Lage der anderen Marktteilnehmer und fragen sich: „Wo entsteht Bewegung und wie kann ich davon profitieren?“

Markttechnik im US-Aktienhandel

Ich bin kein Freund des Schwarz-Weiß-Denkens und halte deshalb nichts von Verallgemeinerungen wie „Mit Markttechnik alleine handelt niemand profitabel“. So eine Aussage lässt sich nicht überprüfen und ist somit nicht wirklich förderlich. Stattdessen will ich einfach aus meiner Perspektive – als konsistent profitabler Swingtrader von US-(Momentums)-Aktien – schildern, warum ich neben der Markttechnik noch auf viele andere Informationen bzw. Parameter zurückgreife.

Letztendlich stehe ich als Aktienhändler vor der Qual der Wahl was ich überhaupt handeln soll. Gemäß der Markttechniklehre wie ich sie kenne müsste ich mir beispielsweise einfach nur diejenigen Aktien raussuchen, die innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends an der richtigen Stelle (5* Wetterlage) ein Longsignal geben und diese kaufen. Wenn ich alleine nach diesem Kriterium nach Longkandidaten suche, finde ich in einem Bullenmarkt davon täglich Dutzende.

Um das zu vermeiden greife ich zusätzlich auf viele weitere Informationen zurück, die nicht direkt etwas mit der Markttechnik zu tun haben. Beispielsweise schaue ich mir an, in welchem Sektor sich eine Aktie befindet und wie der charttechnische Verlauf des Sektors (Stichwort: Sektorrotation) ist. Außerdem kann ein Blick auf die letzten Quartalsergebnisse des Unternehmens nicht schaden, denn wenn diese vom Markt gut aufgenommen wurden, spricht dies tendenziell für weiter steigende Kurse. Das Volumenverhalten der Aktie sollte zudem den markttechnischen Verlauf bestätigen. Indikatoren nutze ich um nach bullischen oder bärischen Divergenzen zu suchen, welche ich ggf. als Warnzeichen interpretiere. Den Gesamtmarkt (US-Aktienindizes) beziehe ich auch mit ein, so dass es durchaus sein kann, dass ich aufgrund eines überkauften Marktes gar keine neuen Signale handle, weil die Korrekturgefahr einfach zu groß ist. Das zyklische Jahresmuster des Marktes sowie dessen Saisonalität geben mir weitere Informationen wohin die Reise an den Märkten vermutlich gehen wird.  etc.pp.

Ich achte letztendlich auf so viele verschiedene Punkte, um mir einen eigenen, diskretionären Filter zu setzen und wirklich nur dann markttechnische Signale zu handeln – ob nun den Breakout oder den Handel aus der Korrektur -, wenn ich die Wahrscheinlichkeit auf meiner Seite habe. Ich könnte mir als Swingtrader heutzutage  nicht mehr vorstellen nur aufgrund des Chartverlaufs der Aktie diese zu handeln und dabei die obigen Parameter (Gesamtmarkt, Sektor, Volumen, Intermarket…) nicht zu berücksichtigen.

Fazit: Seid experimentierfreudig

Aus meiner Perspektive ist die Markttechnik das Fundament, worauf man seinen eigenen, meist „erweiterten“ Handelsstil samt Edge aufbaut. Wie dieser Handelsstil im Detail aussieht, hängt dann wiederum von der Persönlichkeit des Traders, seinem Timeframe sowie dem zu handelnden Markt ab. Kein Händler und somit kein Handelsstil gleicht dem anderen.

Wie gesagt geht es mir nicht darum der Markttechnik einen Stempel wie „nicht ausreichend“ aufzudrücken. Es gibt da draußen bestimmt viele Händler die dies widerlegen können und falls ihr zu denjenigen gehört die nur mit MT profitabel handeln, dann stick to it! Wenn ihr jedoch bisher keinen Erfolg mit dem rein markttechnischen Handel hattet, solltet ihr euch vielleicht mal überlegen, ob zusätzliche Informationen / Filter euch weiterhelfen.

Ein Daytrader könnte sich z.B. das Orderbuch / Level II anschauen, ein FX-Trader den Trendverlauf der Wirtschaftsdaten der jeweiligen Länder, ein Goldhändler das Intermarketverhalten von USD, den Realzinsen oder der Goldminen.

Es gibt viele Möglichkeiten markttechnische Signale mit anderen Informationen zu kombinieren. Seid dafür offen, probiert es aus und findet letztendlich einen individuell auf euch zugeschnittenen Stil, welcher euch glücklich und v.a. profitabel macht. 🙂

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