Signaldienste: Top-Performance ohne Risiko?

Signaldienste werben sehr oft mit herausragenden Ergebnissen. Im Folgenden erörtere ich warum diese Performancekennzahlen sehr oft mit Vorsicht zu genießen sind (5 min Lesezeit)

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Egal wo man hinschaut… Überall werben Signaldienste mit einer Top-Performance. Signaldienst x hat sensationelle 221% in 13 Monaten erzielt und beim Signaldienst y haben blutige Anfänger 50% in 4 Monaten gerissen! Wow… Solche Performancekennzahlen beeindrucken, mich natürlich auch.  Schließlich sind wir alle neugierig, wie denn diese hervorragenden Zahlen zustande gekommen sind. Klickt man jedoch auf „weitere Infos“ sieht man außer der Performance und einem Verkaufstext nichts was einen weiterbringen würde… Und GENAU HIER liegt das Problem.

Vorweg will ich jedoch betonen, dass ich per se nichts gegen Signaldienste habe. Ich selbst hatte zu meinen Anfangszeiten auch etliche abonniert und viel von ihnen gelernt. Was mich jedoch stört ist die gehaltslose Performance-Hyperei. Ich will niemandem unterstellen mit falschen Performancezahlen zu werben (so etwas würde bestimmt keiner tun :P), deshalb gehe ich einfach mal davon aus das die ausgewiesenen Ergebnisse stimmen. Nehmen wir das folgende Beispiel – eine herausragende Performance eines Signaldienstes, welche durch das Internet geistert: 221% in 13 Monaten. Neben der Performance bekomme ich jedoch nicht gesagt wie dieses Ziel erreicht wurde. Wie viele Signale wurden gegeben? Wie hoch waren die Drawdowns? Wie hoch das Risiko pro Trade in %?

Je höher die Rendite, desto höher das Risiko

Schaut euch den unteren Graph an. Der blaue Performancegraph zeigt die Performance des Tradevolution-Portfolios seit Mai 2017 (bis dato ca. +11%) an. Jeder Trade wurde dabei mit 0,5% Portfoliorisiko durchgeführt. In rot seht ihr die Performancekurve, wenn ich statt 0,5% Risiko 2% pro Trade riskiert hätte. Statt „mageren“ 11% hätte ich deutlich über 40%+ in gerade mal 4 Monaten erzielt. Das ließe sich super vermarkten, oder? 😛

Das Problem dieser „super Performance“ ist jedoch, dass ich bei einem Einsatz pro Trade von 2% enorme Risiken eingegangen wäre und meine Margin komplett ausgereizt hätte. Teilweise wäre ich mit 400% Longgewichting im Markt positioniert gewesen und einzelne Positionen hätte eine Gewichtung von über 100% gehabt. Im beobachteten Zeitraum wäre wohl alles „glatt“ verlaufen und ich hätte das Portfolio trotz der enormen Risiken nicht gegen die Wand gefahren… Dennoch sieht so kein seriöses Risk- & Money Management aus.  Als (Swing-) Trader muss ich immer damit rechnen, dass es zu einem unerwarteten (Overnight)-Event kommt, bei welchem – aufgrund von Kurslücken – meine Stop-Loss-Marken nicht greifen (z.B. Gewinnwarnung eines Unternehmens, Analystenabstufung, geopolitische Entwicklungen usw.). Wenn ich keinen Risikopuffer einbaue und positionstechnisch immer Vollgas unterwegs bin, werde ich früher oder später pleite gehen. Nicht aufgrund von schlechtem Trading, sondern weil ich zur Erlangung einer außerordentlichen Rendite im Umkehrschluss auch hohe Risiken eingehen muss.  Eine hohe Rendite bedingt immer ein höheres Risiko. „There is no free lunch…“ wie die Amis sagen. Natürlich gibt es hin und wieder Ausnahmetrader die es schaffen eine dreistellige Rendite p.a. mit einem geringen Drawdown zu erzielen, aber ich habe noch keinen Signaldienst gesehen, welcher auch nur ansatzweise in dieser Liga spielt.

Signaldienst-Performance: Worauf zu achten ist

Wenn ihr das nächste mal auf einen Signaldienst stoßt, welcher agressiv mit seiner Performance wirbt und euer Interesse weckt, dann bittet den Signalgeber um folgende Informationen:

  • Wäre ich als Kunde zum gleichen Kurs rein- und rausgekommen?
  • Wann (vorbörslich, intraday) und wie (E-Mail, SMS etc.) wurden die Signale gegeben?
  • Wie viele Signale wurden gegeben?
  • Wie hoch war das Risiko pro Trade (in%)?
  • Wie hoch ist das Verhältnis aus Gewinnern zu Verlierern (Trefferquote)?
  • Wie hoch ist der durchschnittliche G/V für alle Trades und wie hoch jeweils nur für die Gewinn-/Verlusttrades?
  • Wie hoch war der maximale Drawdown und wie hoch der durchschnittliche Drawdown in diesem Zeitraum?
  • Wie lange hat es im Schnitt gedauert bis nach einem Drawdown ein neues Hoch erreicht wurde?
  • Wie sieht die Performancekurve aus?
  • Hat der Signaldienst schon mehrere Zyklen (z.B. Bullen- und Bärenmarkte bei Aktiensignaldienst) durchlaufen?
  • Werden die Trades mit „Real Money“-Trades bzw. einem Realgeldkonto nachgebildet?
  • Gibt es eine Auflistung aller abgeschlossenen Trades?

Warum ist es wichtig diese Informationen zu haben bevor ich ein Abonnement abschließe? Wenn man einen Signaldienst abonniert, gibt man bei Befolgung der Signale dem Signalgeber quasi die Verantwortung über das eigene Konto.

Bsp: Ein Signaldienst wirbt mit +221% in 13 Monaten. Auf Nachfrage erfährt man, dass pro Trade ein Risiko von 2% des Portfolios eingegangen wurde. Zwischenzeitlich gab es mehrere Drawdowns zw. -10% bis -25%, jedoch auch einen in Höhe von -50%. Die Frage die ich mir jetzt stellen muss ist: Bin ich bereit für eine dreistellige Rendite solch ein Risiko einzugehen ?  Zeigt mir einen Anleger, der einen 50 prozentigen Drawdown durchreitet und tapfer weiter die Signale eines Anbieters handelt. Da gibt es nicht sehr viele. Sinnvoller wäre es deshalb, wenn der Kunde eigenständig das Risiko pro Trade minimiert (z.B. von 2% auf 1%) oder sich einen anderen Signaldienst sucht.

Mein Verdacht ist einfach, dass viele Signaldienste die ausgewiesene „Super-Performance“ – insofern sie  nicht frei erfunden wurde  – nur im Zuge eines sehr hohen Risikos erzielt haben, welches allerdings dem Kunden gegenüber unter den Teppich gekehrt wurde. So etwas ist nicht in Ordnung.

Fazit: Löchert die Signalgeber

Leider ist es so, dass kaum ein Signalgeber neben seiner Performance Risikokennzahlen mit veröffentlicht. Und die meisten nehmen auch davon Abstand abgeschlossene Trades den potentiellen Neukunden zu präsentieren. Stattdessen verstecken sie sich hinter ihrer angeblich erzielten Performance. Als interessierter Kunde sollte ich deshalb die Initiative ergreifen und den Anbieter gemäß obiger Liste löchern. An seiner Reaktion wird man merken, ob er seriös ist und einem bereitwillig diese Informationen zur Verfügung stellt oder mauert und auf ein Bezahlabo verweist.

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