Bitcoin-Blase und Crash auf $1000? Das spricht dafür…

Bitcoin-Crash zurück auf die $1000er-Marke? Der Blick auf die vergangene Bitcoinrallies & -korrekturen lässt dies vermuten….  (10 min Lesezeit)

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Da ich seit Ende der 90er Jahre an den Märkten aktiv bin, habe ich schon so einige Manien bzw. Preisblasen erlebt (zu Beginn meist aus der Opferrolle :P) wie z.B. die Techblase zur Jahrtausendwende, die Rohölpreisexplosion 2007-’08, den Silberpreisanstieg 2010-’11 und die Bitcoinpreisrakete im Jahr 2014. Aufgrund dessen erkenne ich mittlerweile sehr gut, wenn sich eine bestimmte Assetklasse in einer Preisblase befindet. Mit Blase meine ich an dieser Stelle nicht, dass ein Preisanstieg langfristig nicht fundamental gerechtfertigt sein könnte, sondern ich definiere eine Blase wie folgt:

Definition einer Preisblase

1) FUNDAMENTAL: Wenn die preisbeeinflussenden Fundamentalfaktoren der Angebots- und Nachfrageseite das Preisniveau nicht mehr rechtfertigen.

2.) SENTIMENT: Ein Großteil der Neukäufer kauft AUSSCHLIEßLICH aufgrund der Erwartung weiter steigender Preise, nicht aus fundamentalen Beweggründen.

3.) CHARTTECHNISCH: Etwas steigt ggü. dem historischen Durchschnittswert zu schnell, zu stark an.

Gehen wir nun Schritt für Schritt die einzelnen Punkte durch und checken ob sich der Bitcoin derzeit in einer Preisblase befindet…

Fundamental gerechtfertigter Preis eines Bitcoins

Leider kann keine Studie oder Analyse auf der Welt sagen, ob ein Bitcoin-Preis von $1 oder $100.000 fundamental gerechtfertigt ist. Fragt man einen „Staazis“ – einen staatsgläubigen Mitmenschen – dürfte es so etwas wie Bitcoin gar nicht geben, denn nur der Staat bzw. die Notenbanken besitzen das Geldmonopol. Fragt man jedoch einen staatskritischen Zeitgenossen (z.B. einen libertären Kryptofreund) sieht die Antwort ganz anders aus: Fiat-Papiergeldwährungen werden im Zuge nächsten Finanzkrise verschwinden und Gold sowie Kryptowährungen übernehmen das Ruder. Dieses plakative Beispiel soll einfach nur zeigen, wie weit die Meinungen beim Thema Bitcoin auseinandergehen – sowohl auf der Straße als auch bei den Investoren und Analysten.  Ich persönlich glaube nicht, dass eine Währung einen Staat im Rücken braucht und denke, dass sich Kryptowährungen langfristig als eigene Assetklasse etablieren werden und deshalb ihre Marktkapitalisierung weiter steigen wird. Wie hoch jedoch der derzeit fundamental gerechtfertigte Preis des Bitcoins ist, vermag ich nicht zu sagen. Auch kenne ich keine Studien von IWF, OECD o.ä. welches sich mit dem fundamentalem Wert von Bitcoin & co. befassen. Weil somit der fundamental gerechtfertigte Preis nicht wirklich bemessbar ist, streichen wir diesen Punkt kurzerhand. 

Das Sentiment des Sektors ist am Überkochen…

Da ich mich seit einigen Monaten als stiller Mitleser in mehreren Kryptowährungsgruppen auf Facebook rumtreibe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass das Sentiment in diesem Sektor bis Anfang letzter Woche am Überkochen war. Jeden Tag strömten neue Leute in die Gruppen und fragten welche Kryptowährung oder welches Initial Coin Offering (ICO)   derzeit am angesagtesten ist – sprich: womit sich in den nächsten Wochen am meisten Kohle verdienen lässt. Den Gruppenkonversationen konnte ich außerdem entnehmen, dass zahlreiche Neukäufer in ihrem Leben noch nie mit Aktien, Fiatwährungen, Rohstoffen oder ähnlichem online gehandelt haben. Die exponentiellen Preisanstiege von Bitcoin, Ethereum und co. haben zahlreiche Börsenneulinge ohne jegliche Handelserfahrung angelockt, die rein aus spekulativen Gründen („Buy Higher, Sell higher„) Kryptowährungen kaufen. Das Sentiment glich teilweiser einer wahren Manie und hat mich an die Techblase Ende der 90er Jahre erinnert. Damals war das Internet „das neue Paradigma“ und entsprechend sind die Techaktien explodiert … bevor sie dann implodierten. Ein Großteil der Aktien hat sich davon übrigens nie wieder erholt. Doch zurück zu den Kryptowährungen: Das Sentiment des Sektors ist derzeit zu heiß! Es ist zu viel spekulatives Geld unterwegs und der Markt braucht aus sentimentstechnischer Sicht dringend eine Abkühlung. Diese kommt entweder durch eine Korrektur über Zeit (lange Seitwärtsbewegung der Preise) oder über Preis (starke Rückgang der Preise vom Hochpunkt gemessen). Und genau auf diesen Punkt gehe ich nun noch etwas ausführlicher ein.

Historische Bitcoin-Rallies & Korrekturen

Oben schrieb ich bzgl. Preisblase: „Etwas steigt ggü. dem historischen Durchschnittswert zu schnell, zu stark an.“
Hier ein paar Zahlen aus dem Sektor: Bitcoin stand Anfang des Jahres 2017 bei ca. $1000 und hat sich in der Spitze seitdem verfünffacht! Aber das ist nichts ggü. Ethereum. Dieser Coin stand im Januar’17 bei $8 und stieg im August bis auf $400! Eine Verfünzigfachung innerhalb von 6 Monaten… Wenn das mal keine Übertreibung ist, dann weiß ich auch nicht!

Werfen wir nun einen Blick auf den BTC-Langfristchart: Im unteren logarithmierten Wochenchart habe ich „Pi mal Daumen“ den prozentualen Anstieg vergangener Preisrallies vom letzten Tiefpunkt aus gemessen.

  • 2012-2013:  Anstieg über 2000%
  • 2013-2014:  Anstieg über 2000%
  • 2015-heute: Anstieg über 2000%

Die derzeitige Preisrally hat – wenn man sie mit den letzten beiden Preisanstiegen vergleicht – aus prozentualer Sicht nicht mehr allzu viel Luft nach oben. Mit dem Erreichen der $5000er Marke ist zudem eine Runde Zahl erreicht an welcher Verkäufer oftmals Gewinne realisieren.
Ein weiterer Punkt fällt zudem auf: Nach den Rallies fiel der Kurs immer wieder auf das vorherige Ausbruchsniveau zurück. Das Breakoutlevel dieser Rally liegt bei ca. $1000…

Bitcoinrallies

Quelle: Tradingview.com

Schauen wir nun auf die Kursrücksetzer des Bitcoins nach Markierung eines Verlaufshochs:

  • 2013: Rücksetzer um mehr als 80%
  • 2014: Rücksetzer um mehr als 80%
  • 2015-heute: noch ausstehend…

Falls sich die $5000 Marke tatsächlich als Hochpunkt dieser Preisrally herausstellen sollte, dann würde ein Rückgang um 80% ein Bitcoin Preis von… ca. $1000 bedeuten.

Bitcoinkorrekturen

Quelle: Tradingview.com

Natürlich sind das alles nur Zahlenspielereien und jeder kennt den Spruch: „History doesn’t repeat … but it rhymes“. Und genau deshalb halte ich es für durchaus wahrscheinlich, dass der gestrige Bounce des Bitcoins im Unterstützungsbereich bei ca. $3000 (vgl. unterer Chart: Support + 38,2% Fibo Retracement) nicht zu einer Wiederaufnahme der Preisrally und neuen Höchstständen führt. Ich halte es für wahrscheinlicher,  dass wir ein tieferes Hoch markieren und der Preis von dort aus in Richtung $2000 (Support + 61,8% Fibo Retracement) und ggf. sogar auf $1000 (altes Ausbruchsniveau) fällt. Hinfällig ist diese Einschätzung bei einem Ausbruch des Bitcoins über die $5000er Marke.

Bitcoin Korrektur

Quelle: Tradingview.com

Fazit: Eine kräftige Preiskorrektur ist überfällig!

Angesichts des exponentiellen Anstiegs des Bitcoins um über 2000% vom letzten Tiefpunkt ab gemessen, sowie dem überkochendem Sentiment des Sektors ist BTC reif für eine kräftige Korrektur. In der Vergangenheit fiel der Preis vom jeweiligen Hochpunkt um über 80% zurück auf das letzte Ausbruchsniveau. Wird dieses Muster beibehalten, sollte BTC zurück auf ca. $1000 fallen. Dieser starker Preisrückgang würde zu zahlreichen Panikverkäufen der spekulativ ausgerichteten Neukäufer und damit zu einer Bereinigung des Sektors führen, was den Weg für die nächste Bitcoin-Preisrally ebnet. Ein sofortiger Anstieg des Bitcoins über $5000 widerlegt diese Einschätzung und die BTC-Preisblase wächst noch weiter.

Zwar bin ich kurz- bis mittelfristig bärisch ggü. Bitcoin eingestellt, was allerdings nicht heißt, dass ich BTCs nicht aktiv long handle um so von der starken Vola zu profitieren…

Als aktiver Trader liebe ich die derzeit hohe Vola von BTC. Als Investor warte ich momentan lieber an der Seitenlinie auf günstigere Preise. Sobald wir „Blood on the streets“ bei den Kryptowährungen sehen, steige ich mit größeren Summen wieder ein, allerdings nicht nur bei BTC, sondern diversifizierter. Die Begründung findet ihr in meinem letzten BTC-Artikel „BTC-Wertaufbewahrungs- oder Spekulationsobjekt?“.

Trade accordingly!

Schönes WE 🙂

Pasa

Nachtrag:

Auf diese Übersicht hat mich freundlicherweise ein anderer FB-Nutzer hingewiesen. Sie zeigt in anderer Darstellungsform vergangene BTC-Preiskorrekturen an. Korrekturen von über -70% waren keine Ausnahmen sondern fast schon die Regel.Quelle: Redd.it

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