Vom Anfänger zum konsistent profitablen Trader

In 4 Schritten vom Tradinganfänger zum konsistent profitablen Trader (CPT) (5 min Lesezeit)

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Heute gehe ich wie angekündigt noch einmal auf folgende Leserfrage ein:

Ich bin richtig interessiert am Trading insbesondere von Aktien. Mich hält jedoch noch die Angst bzw. der gesunde Menschenverstand zurück. Ich bin absoluter Anfänger und habe bisher keinen Kontakt zur Börse gehabt. Ich verfolge lediglich regelmäßig diverse Blogs und Websites und lese ca. seit Anfang des Jahres interessiert mit. Ich würde mich gerne autodidaktisch in die Materie einarbeiten, spiele nun aber eher mit dem Gedanken mich von einem CPT (Consistent Profitable Trader) coachen zu lassen. Einfach um Zeit zu sparen und Fehler zu vermeiden. Ich dachte hier an ein Coaching durch „xy“ nach. Wie denkst du darüber? Insbesondere als Autodidakt? Dort wird natürlich mit Aussagen geworben – nach dem Coaching ist man im Stande profitabel zu traden – die mir etwas suspekt sind…
Langfristiges Ziel von mir ist es ein Nebenverdienst zu meinem bestehenden Beruf aufzubauen, um dort kürzer treten zu können.

Im gestrigen Blogartikel habe ich verdeutlicht, warum wirklich nur börsenbegeisterte Tradinganfänger es überhaupt mit dem aktiven Handel versuchen sollten.  Heute fokussiere ich mich darauf wie man meiner Meinung nach als Tradinganfänger am besten vorgeht um innerhalb des kürztmöglichen Zeitraums mit dem geringsten Mitteleinsatz zu einem CPT (= konsistent profitabler Händler) zu werden. Schauen wir uns zu Beginn an, wie gefühlt 95% aller Tradinganfänger zu ihrem Handelstil kommen.

Oft Zufall: Gehandelter Markt, Timeframe und Handelstil

Die wenigsten Tradinganfänger (mich vor 15 Jahren eingeschlossen) setzen sich vor dem Handel hin und verschaffen sich zunächst einmal einen Überblick über die verschiedenen Assetklassen (Aktien, FX, Rohstoffe, Kryptos etc.), Timeframes (Scalping Day-, Swing- Positionstrading), Strategien (Trend, Kontratrend), Instrumente (Aktien, Optionen, CFDs, ETFs…) und Vorgehensweisen (diskretionär, systematisch). Meist ist es ein Buch, ein Video, ein Artikel im Netz, ein Bekannter oder der Broker der uns dazu bringt das wir uns unüberlegt mit einem bestimmten Markt in einem bestimmten Timeframe und vorgegebenen Handelstil beschäftigen, ohne überhaupt zu checken ob diese zu unseren Lebensumständen und unserer Persönlichkeit passen. Der deutschsprachige Tradinganfänger handelt heutzutage zu Beginn seine Laufbahn beispielsweise eher Forex oder den DAX-F als Aktien, weil dank Metatrader, zahlreichen FX-Brokern, 5/24 Handel (bei FX) und niedrigen Transaktionsgebühren kaum mehr Einstiegshürden vorhanden sind. Was die meisten Anfänger jedoch nicht wissen ist, dass die FX und Future Märkte weitaus effizienter bepreist sind als z.B. die Aktienmärkte und es deshalb deutlicher schwieriger ist im Währungshandel oder durch den Handel von Aktienindizes auf der Gewinnerseite zu stehen.

Besser: Strukturiert und überlegt vorgehen

1.) Übersicht verschaffen

Meiner Meinung nach sollte sich der Tradinganfänger vor dem ersten Trade erst einmal ausführlich mit diversen Märkten und Ansätzen beschäftigen. Empfehlen kann ich an dieser Stelle die Market Wizard / Magier der Märkte-Bücher, in denen der Autor Jack D. Schwager Toptrader und Investoren mit den unterschiedlichsten Handelsansätze interviewt. Beim Lesen bekommt man einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Märkte, Strategien und den jeweiligen do’s and don’tsNach der Lektüre hat man einen sehr breiten Gesamtüberblick und erkennt das „viele Wege nach Rom führen“.

2.) Grundlagenwerke lesen

Insofern noch nicht geschehen, sollte der Anfänger auch unbedingt die Grundlagenwerke des Tradings zu lesen – also Bücher welche einem das Fundament für den technisch orientieren Handel geben und worauf die anschließende Spezialisierung aufbaut. Spontan fallen mir die folgenden beiden Bücher ein:

3.) Spezialisierung auf Markt / Timeframe / Stil

Jetzt geht es ans Eingemachte denn mit der Fokussierung auf einen Markt und/oder Handelsansatz und/oder Timeframe trennen sich die Wege der Tradinganfänger. Die Spezialisierung sollte dabei sowohl die persönlichen Lebensumstände (Arbeitszeit, Kontogröße, etc.) als auch die Interessen und die Psyche des Tradinganfängers berücksichtigen.

Bsp 1: Ein deutscher „9-to-5“ Arbeitnehmer der lediglich börsentäglich von 19 bis 22Uhr handeln kann/will sollte sich z.B. weniger auf die europäischen Aktienmärkte sondern eher auf die US-Aktienmärkte konzentrieren, welche erst um 2200Uhr dt. Zeit schließen.

Bsp 2: Wenn jemand Probleme damit hat sicher innerhalb von Sekunden für etwas zu entscheiden sondern erst lange darüber nachgrübel muss, dann sollte das Daytrading besser unterlassen und stattdessen auf Swing- oder Positionstrading gesetzt werden.

Ihr merkt worauf ich hinaus will. Da wir alle verschiedene Hintergründe, Voraussetzungen und Lebensumstände haben, gleicht kein Trader dem anderen. Folglich sollte auch kein Handelsansatz dem anderen gleichen. Einen für die eigene Persönlichkeit und Lebensumständen passenden Handelstil zu finden – darin liegt die große Kunst. Dieser Prozess kann Monate bis Jahre in Anspruch nehmen und trotzdem gibt es auch danach immer mal wieder kleinere Anpassungen.

Sobald der Tradinganfänger weiß worauf er sich spezialisieren will, sollte er nach qualitativ hochwertigen Büchern, Artikeln, Blogs, youtube-Kanälen, Börsenbriefen, Coaches und ggf. Signaldiensten aus seinem gewählten Spezialbereich (Markt/ Ansatz) Ausschau halten. Ziel sollte es dabei sein, so viel Fachwissen wie nur möglich zu absorbieren. Erst in dieser Stufe rate ich zu einem Coaching / Mentoring oder teuren Ausbildungsprogrammen, denn wenn sich z.B. ein zukünftiger Aktien-Momentumsbreakouttrader von einem Scalping-Coach ausbilden lässt, ist das nicht unbedingt zielführend sondern eher eine Verschwendung der Ressourcen Zeit und Geld.

4.) Erfahrung mit dem Handelsstil sammeln

Mit dem auf sich zugeschnittenen Handelsansatz sollte der Tradinganfänger nun über mehrere Monate bis Jahre Erfahrung sammeln. Je höher dabei der zu handelte Timeframe, desto länger dauert es bis ein Trader mehrere Marktphasen durchlebt hat. Ein Swingtrader für Aktien der im Jahr 2010 gestartet ist hat z.B. bis heute noch keinen richtigen Bärenmarkt erlebt und wird deshalb mit seinen bisherigen Strategien im nächsten Crash kaum etwas anfangen können. Erfahrung sammelt man dabei nicht nur durch das Trading an sich, sondern auch durch das Auswerten der Trades. Das Führen eines Tradingtagebuches ist in meinen Augen obligatorisch denn es verkürzt die Lern- / Erfahrungsphase enorm.

5.) In „guten“ Marktphasen Risiko erhöhen und Ansatz anpassen

Durch die gesammelte Erfahrung ist aus dem Tradinganfänger nach mehreren Jahren hoffentlich ein konsistent profitabler Händler geworden, der mittlerweile weiß, wann er Vollgas im Markt positioniert sein sollte  um dadurch in „guten Marktphasen“ (Phasen in denen die Trefferquote der Trades erhöht ist) genügend Geld zu verdienen damit man in „schlechten Phasen“ auch mal längere Zeit an der Seitenlinie ( in Cash) stehen kann um so die Drawdowns möglichst klein zu halten. Selbstverständlich wird der eigene Handelsansatz immer mal wieder auf die eigenen Lebensumstände, das Marktverhalten oder die Kontogröße angepasst. Wer rastet, rostet…

Zusammenfassung:

Die Leserfrage bezog sich ja u.a. darauf, ob man sich als autodidaktisch veranlagter Tradinganfänger gleich zu Beginn einen Coach holen sollte. Meine Meinung nach sollte man damit warten, bis man sich nach reichlicher Überlegung auf einen Markt / Handelsstil spezialisiert und erst dann Geld in die Hand nehmen und in die eigene Ausbildung investieren. Ansonsten endet man so wie ich… Man jagt von einem Ansatz zum nächsten um erst nach langer, langer Zeit zum eigenen Stil zu finden. Das will ich den Tradinganfängern unter euch ersparen, denn Zeit ist unsere kostbarste Ressource 🙂

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2 Gedanken zu „Vom Anfänger zum konsistent profitablen Trader“

  1. Hallo pasa!

    Sehr schön zusammengefasst und im großen und ganzen gehe ich mit Deinen Meinungen konform.
    Vor allem der (anfängliche) Überblick ist wichtig. Dazu auch die Setzung eines Zieles, was man erreichen möchte.

    Gruß Andre

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