EURUSD: Der Bär ist tot! Lange lebe der … Bär?!

Warum die Wahrscheinlichkeit eines bärischen EURUSD Reversals auf aktuellem Niveau weitaus größer ist als ein EUR Ausbruch (5 min Lesezeit)

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In meiner letzten US-Dollar – Index Analyse schrieb ich:

Aufgrund der positiven Saisonalität im zweiten Halbjahr, der bullischen COT-Positionierung der Commercials und dem Gleichlauf des USD zur Periode 1975-2002 rechne ich mit einer Fortsetzung des USD-Bullenmarktes und einer letzter Aufwärtsbewegung die den US-Dollar Index zwischen $115-$120 katapultieren sollte. Sollte jedoch die starke Unterstützungszone zwischen $93-$92 brechen, war’s das höchst wahrscheinlich mit dem US-Dollar Bullen.

Doch wie setzt sich der US-Dollar Index überhaupt zusammen? Wikipedia liefert darauf folgende Antwort:

Quelle: wikipedia.org

Das Währungspaar EURUSD hat demnach eine Gewichtung von über 50% im US-Dollar Index. Und damit ist eine Sache klar: Die weitere Entwicklung des USD-Index hängt vor allem von dem Preisverlauf des Euros gegenüber des Greenbacks ab. Wenn das nicht Grund genug für eine ausführliche Analyse ist! 🙂

EURUSD Langfristchart und COT-Positionierung

Der untere EURUSD-Monatschart enthält viele interessante Details. Beginnen wir mit dem Preisverlauf: Seit Anfang 2008 befindet sich der Wechselkurs in einem Abwärtstrend und bewegt sich in einem abwärts gerichteten Trendkanal. Zwischen 1.20 und 1.17 befindet sich eine starke Widerstandszone, welche früher mehrfach als Unterstützung diente.  Sollte der Euro von der Widerstandszone nach unten abprallen ergibt sich ein Measured-Move Preisziel von ungefähr 0.82, was gleichzeitig den Tiefständen der Jahre 2000-2001 entspricht.

Quelle: finviz.vom, eigene Markierungen

COT-Positionierung:  Mittels der vertikalen Linien habe ich im Chart die Zeitpunkte markiert, an welchen die Commercials short positioniert waren (2009, 2011, 2013)In allen 3 Fällen fiel der EURUSD-Kurs innerhalb der nächsten 6 Monate signifikant! Momentan sind die Commercials so stark EUR short positioniert wie zuletzt im Jahr 2011. Lediglich im letzten EURUSD Bullenmarkt kam es in der Endphase von 2006 bis 2007 zu einer noch stärkeren Commercial-Shortpositionierung als derzeit, ohne das sich dies jedoch negativ auf den Wechselkurs ausgewirkt hätte. Da wir uns gem. des langfristigen Preisverlaufs allerdings immer noch in einem EURUSD Bärenmarkt befinden, werte ich dieses COT-Extremniveau als bärisch für den Euro. 

EURUSD Saisonalität: Nicht wirklich hilfreich

Wie auch schon bei der Analyse des USD-Saisonalitätsmusters, bekommen wir mit den unteren beiden Seasonalcharts des EURUSD keine klare Aussage. Gemäß des saisonalen Musters der letzten 30 Jahre (1986-2016) sollte der EURSD-Wechselkurs von Mitte August bis Jahresende deutlich ansteigen.

Quelle: seasonalcharts.com

Der Kursverlauf des EURUSD der letzten 3 Jahre zeigt jedoch in der zweiten Jahreshälfte eine negative Preisentwicklung. Da der Euro in den ersten 6 Monaten des Jahres 2017 um beinahe 15% zulegen konnte (1.02 auf 1.17), würde mich eine deutliche Schwäche in der zweiten Jahreshälfte nicht wirklich wundern. Vor allem, wenn wir uns das aktuelle EURUSD Sentiment vor Augen führen…

Quelle: finviz.vom, eigene Markierungen

EURUSD Sentiment & wkly RSI auf Extremniveau

Anhand des unteren AnimusX Chart kann man das förmlich überkochende Eurobullensentiment deutlich ablesen. Nahezu 70% EUR Bullen! Und das obwohl sich der EURUSD Wechselkurs gerade vor einer starken Widerstandszone befindet. Ende 2016 wurden ähnliche Extremwerte gemessen, jedoch mit umgekehrten Vorzeichen, als der EURUSD drohte unter die Paritätsmarke von 1:1 zu fallen. Kurz darauf kam es zu dem immer noch laufenden €-Anstieg ggü. dem Dollar.

Quelle: animusX.de

Und neben dem Sentiment befindet sich ein weiterer Indikator auf einem Extremniveau: der RSI des Wochencharts. Dieser steht mit einem Wert von beinahe 76 auf dem höchsten Niveau seit 2007. Im unteren Chart habe ich die Zeitpunkte rot umrandet, an welchen der RSI über oder zumindest nahe der 70er Marke handelte. In 5 von 6 Fällen kam es in diesem Zeitraum zu Topbildungen im Wechselkurs.  But this time it’s different Eurobulls?!

Quelle: stockcharts.com, eigene Markierungen

EURUSD: Alle 19 Monate ein Top! Zufall?

Vor einiger Zeit bin ich auf diesen interessanten EURUSD Zyklus gestoßen: Seit 2008, dem Beginn des EURUSD Abwärtstrends, markiert der Euro gegenüber dem Dollar ca. alle 19 Monate ein Hochpunkt, bevor er dann wieder abfällt. Im unteren Monatschart habe ich die Hochpunkte farblich markiert. Das nächste Top sollte gem. dieses Zyklus im Oktober 2017 entstehen. Dabei würde ich eine zeitliche Toleranz von +/- 3 Monaten  einplanen, was bedeutet, dass sich bei Zyklusfortsetzung ein EURUSD-Top innerhalb der nächsten 6 Monaten bilden sollte!

Quelle: tradingview.com, eigene Markierung

EURUSD Wochenchart: Reversalcandle ahead?

Zu guter Letzt betrachte ich den Wochenchart: Unten habe ich verschiedene Reversal-Candlesticks blau markiert, welche bei einem EURUSD-Wechselkurs von ca. 1.15 auftraten, ein Niveau auf dem eine klar ersichtliche Widerstandszone verläuft. Zwar befindet sich der EURUSD derzeit über dieser Zone, jedoch verläuft bei 1.17 auch ein starker Widerstand (siehe Monatschart oben). Sollte eine der nächsten Handelswochen mit einer bärischen Reversalkerze enden, liegt in meinen Augen ein Shortsetup mit hervorragendem CRV vor: Short unter der Reversalkerze mit Stop-Loss darüber.

Fazit: Der Euro wird es schwer haben…

Für einen weiteren Anstieg des Euros spricht das hohe Momentum der derzeitigen Bewegung und der noch immer intakte h-Aufwärtstrend. Gegen einen weiteren EUR/USD Anstieg sprechen die bärische Commercial-COT-Posititionierung, das überkochende Pro-Euro-Sentiment, der 19-Monate-Top-Zyklus, die starke Überkauftheit des Euros sowie der übergeordnete, langfristige Abwärtstrend mit einer massiven Widerstandszone zw. 1.17 und 1.20.

Trotz meiner bärischen Einschätzung gegenüber dem Euro werde ich mich mit Shortpositionen so lange zurück halten, bis sich der Trend auf Stundenbasis umkehrt oder es zu einer bärischen Reversal-Wochenkerze in der Widerstandszone kommt, insofern die Kerze nicht allzu groß ist (wichtig für das CRV des Trades). Ich fiebre der Entscheidung entgegen und kann hier nur noch einmal betonen, dass es hier nicht nur alleine um den EURUSD bzw. den USD geht, sondern auch um die weitere Entwicklung des Rohstoffsektors, insbes. Gold und Silber.

Schönes Wochenende Trader!

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