Der US-Dollar am Scheideweg: Stirbt der Bulle?

Welche Marke der US-Dollar Index nicht brechen darf und warum die Vorzeichen auf eine Fortführung des USD-Bullenruns hindeuten (5 min Lesezeit)

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Den heutigen Beitrag widme ich dem US-Dollar-Index (USD), denn dieser steht momentan am Scheideweg: Setzt sich der im Jahr 2011 gestartete Bullenmarkt in den nächsten Monaten weiter fort, oder hat der USD-Index Anfang 2017 bereits das zyklische Hoch dieses Runs markiert?

USD- Rückgrat des internationalen Finanzsystems

Warum ist es wichtig, dem US-Dollar überhaupt Beachtung zu schenken? Davon abgesehen, dass der Greenback noch immer den Status der Weltreservewährung inne hat, beeinflussen die Bewegungen des USD  nachhaltig andere Assetklassen, v.a. die Rohstoffe, welche eine negative Korrelation zum USD aufweisen. Dem unteren Chart kann man entnehmen, dass die Rohstoffpreise (repräsentiert durch den CRB-Rohstoffindex) in Zeiten eines steigenden USD meist schwach performen und umgekehrt. Somit kann man mit einer gründlichen Analyse des USD auch immer die wahrscheinlich zukünftige Fahrtrichtung von Gold, Rohöl & co. mitbestimmen.

Quelle: stockcharts.com, eigene Markierung

USD-Langfristchart: Dieser Support muss halten

Unten habe ich den Langfristchart des USD (1971 bis heute) ein wenig verkünstelt und die 3 großen Bullenmärkte (1980-1985 / 1995-2001 / 2011-heute) farblich hervorgehoben. Folgende Punkte sind IMO wichtig:

  • zwischen 93 und 92 Punkten verläuft eine starker Supportbereich. Dieses Niveau diente in der Vergangenheit mehrfach sowohl als Widerstand- als auch als Unterstützungszone.
  • der aktuelle USD-Bullenmarkt ist zeitlich, im Vergleich zu den beiden vorherigen, schon sehr weit fortgeschritten (ca. 2071 Tage vs. 1645 bzw. 2284).
  • der %-Anstieg  des aktuellen Bullen hinkt mit ca. +31% den anderen beiden  (+97% bzw. +41%) deutlich hinterher.
  • in keinem der bisherigen 3 Bullenmärkten kam es zu einem wöchentlichen Drawdown (DD) größer als 10%. Ein Bruch der 92-93 Supportzone würde gleichzeitig einem Kursrücksetzer von über 10% enstprechen.

Quelle: tradingview.com, eigene Markierung

USD-Saisonalität: Achtung beim Langfristchart

Würde man sich  zur Einschätzung des saisonalen Musters nur alleine auf den unteren 30-Jahreschart von Seasonax verlassen, würde man zu dem Ergebnis kommen, dass der USD in den nächsten Monaten gem. der Saisonalität „gehörig unter die Räder“ kommt.

Quelle: seasonalcharts.com

Beim Blick auf den Verlauf des USD in den letzten 3 Jahren stellt man jedoch schnell fest, dass der Dollar vor allem in den jeweiligen zweiten Jahreshälften stark performte (grün umrandet). Man sieht, dass sich das schwache 30-jährige saisonale Muster für die zweite Jahreshälfte seit Beginn des letzten großen Uplegs 2014 nicht durchsetzen konnte. Im Gegenteil: der USD konnte in allen 3 Jahren in der zweiten Jahreshälfte ansteigen: Auch 2017?

Quelle: finviz.vom, eigene Markierungen

USD-COT-Positionierung: Das sieht bullisch aus!

Auf Finviz.com kann man die COT-Positionierung der Commercials und Non-Commercials mit dem Preisverlauf des US-Dollars abgleichen. Im unteren USD-Monatschart habe ich 4 Punkte grün markiert, an welchen die Commercials (z.B. Großbanken) ihre $-Preis-Absicherungen in der Vergangenheit vollständig auflösten.  Danach kam es in allen Fällen zu einer mehrwöchigen (Mini-) Rally beim USD. Die derzeitige Positionierung der Commercials ist der 0-Linie nahe, während gleichzeitig das Open-Interest an USD-Kontrakten sehr gering ist. Diese Kombination kam zuletzt Anfang 2014, dem Beginn der letzten großen Aufwärtsbewegung vor. Sollte sich deshalb das COT-„Kaufsignal“ durchsetzen und der USD von dem $93-$92 Support abprallen, käme der Measured Move der vorherigen Bewegung (gelb markiert) als Preisziel (ca. $115-$120) der nächsten und vllt. letzten Aufwärtsbewegung im USD in Frage.

Quelle: finviz.com, eigene Markierungen

Dieser USD-Verlauf kommt mir bekannt vor…

Zu guter Letzt vergleiche ich den Verlauf des USD von 2003 bis heute mit dem Verlauf der Jahre 1975 bis 2002. Und siehe da… „Alles schon mal da gewesen“. Die beiden Verläufe ähneln sich verblüffend genau. Gemäß dem Verlauf der Jahre 1975-2002 sollte der US-Dollar noch eine weiteres „Upleg“ vor sich haben, bevor den Bär übernimmt. 

Quelle: zerohedge.com, eigene Markierungen

Zusammenfassung: $-Bulle mit Stop Loss

Aufgrund der positiven Saisonalität im zweiten Halbjahr, der bullischen COT-Positionierung der Commercials und dem Gleichlauf des USD zur Periode 1975-2002 rechne ich mit einer Fortsetzung des USD-Bullenmarktes und einer letzter Aufwärtsbewegung die den US-Dollar Index zwischen $115-$120 katapultieren sollte. Sollte jedoch die starke Unterstützungszone zwischen $93-$92 brechen, war’s das höchst wahrscheinlich mit dem US-Dollar Bullen.

Zu beachten ist weiterhin: Sollte ich mit meiner Einschätzung Recht behalten und der US-Dollar von hier aus steigen, werden die Rohstoffpreise, allen voran Öl, Gold und Silber in den nächsten Monaten gehörig Gegenwind bekommen.

Am Freitag werde ich in einer weiteren, umfassenden Analyse das Währungspaar mit der größten Gewichtung im US-Dollar genauer unter die Lupe nehmen: EUR/USD.

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